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Informationen zur Versorgungssicherheit

Der Begriff des „Blackouts“ kursiert aktuell überall in den Medien und viele beschäftigen sich mit der Frage, ob uns im Winter in Deutschland tatsächlich große, flächendeckende und langanhaltende Stromausfälle drohen. Die ELE Verteilnetz GmbH (EVNG) als regionaler Netzbetreiber sorgt seit vielen Jahren rund um die Uhr für die ausgesprochen hohe Netzqualität und Versorgungssicherheit in den drei Städten Gelsenkirchen, Bottrop und Gladbeck. In dieser Rolle steht die EVNG zu jeder Zeit in Kontakt mit weiteren Netzbetreibern und zur Bundesnetzagentur. Gemeinsam befassen sich die Vorgenannten selbstverständlich auch mit den aktuellen Fragen rund um drohende Energieengpässe in den kommenden Wochen und Monaten.

Einleitend ist es wichtig zu sagen, dass verschiedene Expertinnen und Experten sowie die vier Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland derzeit nicht davon ausgehen, dass es in diesem Winter zu einem unkontrollierten, flächendeckenden Blackout kommen wird. Nachdem uns aber nun vermehrt die Sorgen unserer Kunden und immer wieder Fragen rund um dieses Thema erreichen, haben wir die wichtigsten Informationen dazu auf dieser Seite zusammengefasst.

Unsere Netze sind sicher!

Die Verteil- und Übertragungsnetzbetreiber sorgen seit Jahrzehnten dafür, dass das Stromnetz in Deutschland sicher und stabil arbeitet. Sie halten die Stromerzeugung und den Stromverbrauch im Gleichgewicht und bewahren u.a. die Kabel/Leitungen vor Überlastungen. Sie gehen verantwortungsvoll mit Risiken um, die die Systemstabilität gefährden könnten und verfügen über Instrumente, um selbst angespannte Situationen und Engpässe zu bereinigen. Wir haben in Deutschland eines der zuverlässigsten Stromversorgungssysteme weltweit. Statistisch war jeder einzelne Haushalt in Deutschland im Jahr 2021 im Durchschnitt nur rund zwölf Minuten ohne Strom; in der Praxis waren drei von vier Kunden von gar keinem Stromausfall betroffen. Das sind Spitzenwerte im internationalen Vergleich.

Trotzdem könnte die Versorgungssituation im kommenden Winter aus verschiedenen Gründen schwieriger werden als in den letzten Jahren. Gründe sind die aktuellen Lieferengpässe auf dem Gasmarkt mit Auswirkungen auf die Einsatzzeiten von Gaskraftwerken sowie die angespannte Lage auf dem französischen Energiemarkt. Entscheidend wird sein, welche Kraftwerke in Europa insgesamt im Winter verfügbar sein werden. Grundsätzlich waren die Gasspeicher in Deutschland zu Beginn des Winters gut gefüllt, sodass wir für den kommenden Winter gut gewappnet sind.

 

1. Was ist überhaupt ein „Blackout“?

Ein "Blackout" ist ein unkontrolliertes und unvorhergesehenes Versagen von Netzelementen. Das führt dazu, dass größere Teile des europäischen Verbundnetzes oder das gesamte Netz ausfallen (sogenannter Schwarzfall). Ein solches Ereignis könnte beispielsweise auftreten, wenn in einer angespannten Last- und Erzeugungssituation zusätzlich schwere Fehler an neuralgischen Stellen des Übertragungsnetzes auftreten. Ein Blackout ist also grundsätzlich kein durch eine Unterversorgung mit Energie ausgelöstes Ereignis, sondern ist bedingt durch Störungen im Netzbetrieb. (Quelle: Bundesnetzagentur).

Demgegenüber steht der sogenannte (kontrollierte) "Brownout". Dieser kann notwendig werden, wenn im Vergleich zur nachgefragten Menge zu wenig Strom produziert werden kann, z.B. aufgrund eines Brennstoffmangels für Kraftwerke oder einer allgemein zu geringen Erzeugung, beispielsweise auch durch Nichtverfügbarkeiten von Erzeugungsanlagen. In diesem Fall ist es notwendig, die Nachfrage so weit zu reduzieren, dass das Angebot die Nachfrage wieder vollständig decken kann. Nur so kann die Versorgung mit Strom weiterhin stabil und zuverlässig gewährleistet werden. (Quelle: Bundesnetzagentur).

2. Ist in diesem Winter mit einem Blackout zu rechnen?

Wir rechnen nicht damit. Und das tun auch die Übertragungsnetzbetreiber und die Bundesnetzagentur nicht.

Die vier großen deutschen Übertragungsnetzbetreiber Amprion, Tennet, 50 Hertz und Transnet BW haben im Auftrag der Bundesregierung verschiedene Szenarien zur Sicherheit der Stromversorgung für diesen Winter berechnet. Selbst im schlechtesten Fall – also im sogenannten „worst case“ – ist im Ergebnis nicht mit einem Blackout zu rechnen. Amprion – der Übertragungsnetzbetreiber hier im Westen der Republik und damit vorgelagerter Höchstspannungsnetzbetreiber der EVNG – hat die Erkenntnisse aus dieser Szenarien-Analyse zusammengefasst.

Wer nachlesen will, findet sie hier:

Warum wir nicht mit einem Blackout im Winter rechnen (amprion.net)

Und hier geht es zur Einschätzung der Bundesnetzagentur:

Bundesnetzagentur - Insight Blog - Droht der Blackout?

3. Womit müssen wir stattdessen im Winter rechnen?

Die Netzbetreiber erwarten im Winter eine angespannte Versorgungssituation. Es ist daher nicht auszuschließen, dass es zu sogenannten Lastunterdeckungen kommt. Es gäbe dann nicht genug Strom, um den erwarteten Verbrauch – die „Last“ – zu decken. Um einen Blackout in Folge einer solchen Lastunterdeckung zu vermeiden, setzen die Verteil- und Übertragungsnetzbetreiber eine Reihe von Instrumenten ein.

Unter anderem mobilisieren sie Reserven auf dem europäischen Strommarkt oder nehmen Großverbraucher gezielt vom Netz. Das sind bewährte Maßnahmen, um das Netz zu stabilisieren. Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, bleibt als weitere Eskalationsstufe der sogenannten kontrollierte Lastabwurf oder ein rollierender Brownout.

4. Was ist ein kontrollierter Lastabwurf/Brownout?

Im Falle eines Lastabwurfes weisen die Übertragungsnetzbetreiber die Verteilnetzbetreiber an, für die Zeit der Unterdeckung eine definierte Last vom Netz zu nehmen, also kontrolliert abzuschalten. Diese Abschaltung erfolgt ausschließlich nach netztechnischen Gesichtspunkten und diskriminierungsfrei. Das heißt, es wird nicht nach verschiedenen Verbrauchern unterschieden, sondern im Fall eines solchen Lastabwurfes sind alle Netzkunden in einem bestimmten Gebiet gleichermaßen betroffen. Im Gegensatz zu drohenden Abschaltungen im Gasbereich gibt es bei der Stromversorgung keine „geschützten Kunden“ oder eine anderweitige Priorisierung.

Wir würden diesen kontrollierten Lastabwurf über mehrere Abschaltgebiete rollierend für jeweils 90 Minuten durchführen (rollierender Brownout). Die Gebiete, in denen der Strom abgeschaltet wird, wechseln also alle 90 Minuten. Das bedeutet bei einem reibungslosen Ablauf konkret, dass jeder Stromkunde mit einem Ausfall von maximal 90 Minuten rechnen muss und im Anschluss wieder mit Strom versorgt ist. Die Abschaltungen sind daher mit einem normalen Stromausfall vergleichbar. Licht und technische Geräte fallen aus, Gefriertruhen und Kühlschränke – insbesondere neuere Geräte – können aber mit einer solchen Unterbrechung gut umgehen. Auch Industrieunternehmen und sensible Einrichtungen der Infrastruktur sind auf solche Ausfälle in der Regel mit Konzepten zur Ersatzstromversorgung vorbereitet. Wie groß die jeweils abzuschaltenden Gebiete sind, richtet sich nach der Größenordnung der vom Übertragungsnetzbetreiber angeforderten Lastabschaltung.

Eine kontrollierte Lastabschaltung geschieht regional und zeitlich begrenzt. Darin liegt der große Unterschied zum Blackout. Übertragungsnetzbetreiber wie Amprion verhindern also einen Blackout, indem sie entscheiden, dass Unternehmen und Privathaushalte für eine kurze Zeit ab- und dann wieder zugeschaltet werden.

5. Welche Rolle übernimmt die EVNG beim kontrollierten Lastabwurf?

Die vom Übertragungsnetzbetreiber (Amprion) angeordnete Abschaltung erfolgt durch unsere Netzleitstelle, welche ganzjährig und rund um die Uhr besetzt ist.

6. Muss ich mich auf Stromausfälle vorbereiten?

Die Wahrscheinlichkeit eines großflächigen und lang andauernden Blackouts wird als sehr gering eingestuft. Wer trotzdem Vorsorge-Maßnahmen treffen möchte, wird beim Regionalverband Ruhr fündig oder beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe:

#besserbereit – wer vorsorgt, ist besserbereit

https://www.bbk.bund.de/DE/Warnung-Vorsorge/Vorsorge/Ratgeber-Checkliste/ratgeber-checkliste_node.html

7. Stimmt es, dass auch der Betrieb von Heizlüftern zu Stromausfällen führen kann?

Ja, das stimmt! Dadurch entsteht kein Blackout, aber es kann zu regional begrenzten Stromausfällen kommen. Wenn an kalten Winterabenden plötzlich massenhaft Heizlüfter zeitgleich an das Netz gehen, kann das sehr schnell zur Überlastung des Netzes im Ortsteil führen und das wiederum zu einem Ansprechen des Überlastschutzes und damit automatisch zu einer Unterbrechung der Stromversorgung in diesen Netzbereichen. Deshalb raten wir unbedingt davon ab, Heizlüfter als Alternative zur Gasheizung zu nutzen. Hinzu kommt: Heizlüfter benötigen für die gleiche Wärmeleistung wie eine Gasheizung sehr viel mehr Energie. Der Einsatz würde also auch die Energiekosten stark in die Höhe treiben. Ein Betrieb der Gasheizung ist trotz der aktuellen Gaspreise immer noch kostengünstiger als das Heizen mit Strom.

Wichtiger Hinweis: Sollte es aufgrund des massenhaften Betriebs von elektrischen Heizgeräten zu einem Stromausfall kommen, ist es unbedingt notwendig, dass Sie diese nicht zwingend notwendigen Stromverbraucher (Heizlüfter, Radiatoren usw.) sofort wieder vom Netz nehmen. Also bitte den Stecker ziehen! Erst dann ist es für unser technisches Personal überhaupt möglich, die Versorgung wieder herzustellen.